Wenn ich mir Gedanken über das Thema Jugendsünden mache, dann denke ich direkt an einen super aufregenden Tag-nicht was viele denken werden! Jugendsünde heißt für mich erstmal nicht die Sünde an sich, sondern Grenzen austesten und was neues ausprobieren. Bereuen kannst du es dann immer noch, aber in meinem Fall war es die Erfahrung wert. Ich kann jetzt keine Geschichte von Sex, Drugs und einer wilden Party bieten aber dafür eine mit Sinn. Dies fand ungefähr vor 7 Jahren statt, da war ich 16 Jahre alt.
Meine Freundin Nissma und ich hatten an Wochenenden unsere üblichen Islamseminare und in einem kam das Wort Niqab vor. Erstmal war ein großes Fragezeichen im Kopf, doch dann erinnerten wir uns an die typischen Fotos im Internet von den saudischen und emiratischen Frauen, die von Kopf bis Fuß gekleidet sind. Niqab bedeutet nämlich Gesichtsschleier. Für mich ein Fremdwort in Deutschland, denn hier hatte ich es bisher noch nie gesehen. Nissma, die immer mit neuen Ideen kam, hatte mich direkt für die nächste Woche verplant und meinte, dass wir mal was Neues machen.
Gesagt Getan, wir verabredeten uns am Dortmunder Hbf und siehe da, was hatte sie in ihrem Beutel, ein Niqab, den sie im Internet bestellt hatte. Damit hätte ich nicht gerechnet. Wir verschwanden im Fotoautomat und zogen uns um. Für den Anfang gingen wir zur Münsterstraße, da dort sich die meisten ausländischen Geschäfte befanden und wir erhofft hatten, dass wir dort nicht für zu großes Aufsehen sorgen. Dann ging es also durch die Münsterstraße, viele Blicke, viele Beleidigungen, auch fiel oft das Wort "Vermummungsverbot", dann waren wir uns nicht mehr sicher, ob es nicht wirklich verboten ist.
Wir gingen dann in einen Imbiss, um erstens von der Straße wegzukommen und zweitens mal das Essen mit dem Niqab auszuprobieren. Der Besitzer war sehr nett und machte sogar die Vorhänge zu und zeigte uns den Tisch in der hintersten Ecke, um in Ruhe zu essen. Das Essen klappte, da wir es ausziehen konnten. Auf dem Weg zurück zum Hauptbahnhof wurden die Menschen gefühlt noch fieser und wir beeilten uns, zogen uns um und fuhren nach Hause. Für mich war es ein Spaß, aber Nissma fand die Reaktionen schrecklich.
In der Bahn redeten wir nicht mehr und schauten nachdenklich aus dem Fenster. Heute hat Nissma eine kleine Familie und trägt den Niqab und ich denke gerne an diese Zeit!






